Reykjanes-Halbinsel

Ein überraschend interessanter Tag

An den beiden vergangenen Tagen sind wir wegen den weiten Anfahrten, relativ früh aufgestanden. Der heutige Wetterbericht verhieß keine Sonne und auffrischenden Wind. Also blieben wir etwas länger im wohlig warmen Bett und sind nur kurz vor dem Ende der Zeit in der es Frühstück gibt in die Hotellobby gegangen.

Zu unserer Überraschung war der viele Schnee der letzten Tage über Nacht ziemlich weggetaut. Nur die Berge waren noch schneebedeckt, während die flachen Ebenen entlang der Küsten fast Schneefrei waren.

Wir hatten uns noch nicht für ein Programm für den heutigen Tag entschieden. Wegen der eher grauen und verregneten Wetteraussicht hatte ich vorgeschlagen die Gegend um Grindavík zu erkunden und das Ganze mit einem Besuch in der „Blauen Lagune“ abzuschließen. Wir wussten zwar, dass heute der letzte mögliche Tag für einen Besuch dort sein würde, da das Bad wegen Renovierung bis Ende Januar geschlossen würde. Aber durch keinen Hinweis heben wir mitbekommen, dass zu jeder Stunde nur eine begrenzte Anzahl Personen eingelassen werden und für heute alle Slots vorgebucht waren. Damit zerschlug sich dieser von der Werbung suggerierte Plichtbesuch einer jeden Island Reise. Und wir waren irgendwie erleichtert, dass uns diese Entscheidung somit abgenommen wurde.

Die Fahrt führte vom Hotel Richtung Westen zu einer der aktivsten heißen Quelle Islands, der Gunnuhver. Benannt nach einem bösen weiblichen Geist, der in dieser Quelle gefangen gehalten wird. Soweit zumindest die Sagen. Vom Sprudeln der Quelle konnte man fast nichts sehen, weil der in die kalte Luft aufsteigende schwefelig riechende Dampf eine dichte Wolke bildete, die vom Wind fast waagerecht davon geblasen wurde. Die Reste eines Besuchssteges im aufgewühlten Boden neben der Quelle, deuten auf die gesteigerte Aktivität in den Jahren 2008/9 hin, als dieser Bereich gesperrt wurde. Heute werden die Besucher über neu errichtete Stege über den heißen Boden geführt.

Beim über die Holzstege durch das Geothermiefeld wandern, erblickten wir in der Ferne einen Leuchtturm auf einem Berg und einen weiteren Anfahrtsweg zur Gunnuvher. Also sind wir vom östlichen Parkplatz weg in einem großen Bogen um das Feld nebst angeschlossenem Geothermiekraftwerk gefahren und auf unserer ersten Schotterpiste des Urlaubs gelandet. Sie führt zum Leuchtturm und zu einem dahinter liegenden Beobachtungsplatz für Seevögel. Wir hatten diesen Ort gar nicht auf unserem Besuchsradar. Er stellte sich aber als das Highlight des Tages heraus, weil drei vom Festland zugängliche Berge als senkrechte Klippen steil zum Meer hin abfallen.

Selbst der Zugang zum Atlantischen Ozean war möglich und wir konnten ein paar beeindruckende Wellen an den schwarzen Lavafelsen aufprallen sehen. Zu Michis Enttäuschung hatten wir das Stativ nicht mit aus dem Auto genommen. Also konnte er schon wieder keine langzeit Belichtungen von der Brandung der Wellen fotografisch umsetzen. Er ist jedes mal begeistert wenn er entsprechende Bilder im Internet in seine Timeline gespielt bekommt.

Also mussten wir uns mit den am Strand befindlichen „Kieselsteinen“ zufrieden geben. Die waren schön rund und ganz schön groß.

Als letzte „Sehenswürdigkeit“ haben wir dann die „Brücke zwischen den Kontinenten“ angeschaut. Das Ganze ist ein wenig aufgebauscht, wenn auch mit ernstem geologischen Hintergrund. Die Verwerfungen zeigen, dass man sich auf dem atlantischen Rücken befindet, wo die nordamerikanische und die eurasische Kontinentalplatten auseinander driften. Das erklärt auch die besondere geologische Aktivität der gesamten Reykjanes-Halbinsel.

Und wieder wurde uns bewusst, wie kurz die Tageslichzeiten im Winder sind. Als wir weiter fahren wollten, war der Himmel schon im dunkel grau blau der blauen Stunde versunken. Bis wir dann die Halbinselumrundung abgeschlossen hatten, war es schon wieder stock dunkel. Das bot die Gelegenheit einen der an unterschiedlichen Orten auf der Insel verteilten Warmwasserbehälter zu fotografieren, die mit bunten Lichtern angestrahlt sind. Dieser hier befindet sich nördlich von Grindavík und wird wohl vom selben Geothermiekraftwerk versorgt, wie die Blaue Lagune.